Zwangskastration von Häftlingen im KZ Sachsenhausen

In original erhaltenen Baracken informiert die Ausstellung „ Medizin und Verbrechen“ unter anderem über die Zwangskastration von KZ-Häftlingen. Mit diesem Thema habe ich mich näher befasst.

Seit 1933 war es möglich, sogenannte „gefährliche Gewohnheitsverbrecher“ zu kastrieren. Dazu gehörten zu Sexualdelikten Verurteilte und Homosexuelle. Sie wurden durch Misshandlungen zur Kastration gezwungen oder man lockte sie mit falschen Versprechungen (z. B. Haftentlassung)  zur „freiwilligen“ Zustimmung zu einer Kastration.

Die Kastration übernahmen die SS-Ärzte im Krankenrevier des Konzentrationslagers selbst. In der Ausstellung wurde über mehrere Männer berichtet, die zwangskastriert wurden. Näher habe ich mich mit Otto Giering und Anton V. beschäftigt.

Otto Giering

Otto Giering wurde am 17.09.1916 in Hamburg geboren. Im Zeitraum von 1933-1938 wurde er wegen homosexueller Kontakte und Diebstahls verurteilt. 1939 wurde er in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, verurteilt zu 5 Jahren Haft. Am 16.08.1939 wurde er zwangskastriert. Die politische Abteilung des KZs Sachsenhausen zwang ihn, sich zur Homosexualität zu bekennen.

Anton V.

Anton V. wurde am 20.10.1915 in Bonn geboren. Von 1935-1936 wurde er auf Grund seiner Homosexualität verhaftet. 1937 verhaftete man ihn in München und er wurde zu 3 ½ Jahren Haft verurteilt. Im Dezember des Jahres 1940 wird er nach Sachsenhausen gebracht. Er wurde jedoch 1941/1943 nach Natzweiler ( Straf- Arbeitslager im Elsass)
deportiert (die Gründe wurden in der Ausstellung nicht genannt), wurde jedoch wieder nach Sachsenhausen zurückgebracht, wo am 27.04.1944 zwangskastriert wurde. 1944  wurde er entlassen und an die Front geschickt, wo er in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriert, aus der er erst 1947 entlassen wurde.

Dies war mein erster Besuch in einem KZ. Es war ein sehr interessanter Projekttag, um sich mit dem Thema „ KZ“ näher auseinander setzen zu können. Durch die direkte Konfrontation mit Ort des Geschehens wurde mir die unglaubliche Brutalität des Systems des Nationalsozialismus bewusst. Ein perfekt organisiertes, mit „Gründlichkeit“ durchgeführtes Verbrechen an der Menschlichkeit wurde mir vor Augen geführt.
Ein System, das fast jeden brechen konnte, wenn er sich den nationalsozialistischen Gedankengut widersetzte.

Deshalb ist es wichtig, viel über diese Zeit zu erfahren und auch die Zusammenhänge zu begreifen, die zu einem solchen System geführt haben. Ich möchte in einem demokratischen Staat leben, ohne mir meine politische, gesellschaftliche oder religiöse Ansicht vorschreiben zu lassen.

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