Zwangsarbeit jüdischer Häftlinge im KZ Sachsenhausen

Die Uhrmacherwerkstatt

Das SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt beschloss im Sommer 1942, dass Kleidung, Schuhe, Uhren und Schmuck von ermordeten Juden und anderen in Lagern inhaftierten Häftlingen aus allen Konzentrationslagern nach Sachsenhausen gebracht werden sollte, um dort weiterverarbeitet zu werden. Daher wurde dort im Jahre 1942 in Block 42 des kleinen Lagers eine Uhrmacherwerkstatt eröffnet.

Die Absicht der Nazis war, die Uhren, welche man Häftlingen, vor allem den Juden, bei der Inhaftierung abgenommen hatte, weiterzuverwenden. Doch dafür mussten sie von vorwiegend jüdischen Gefangenen, die Ahnung von der Kunst des Uhrmacherhandwerks hatten, gewartet und gegebenenfalls repariert werden. Diese Häftlinge wurden dafür aus anderen Konzentrationslagern nach Sachsenhausen überstellt.

Diese Arbeit hatte mehrere Vorteile für die Gefangenen: Es rettete ihnen meistens das Leben, da sie so der Selektion entgingen, und sie hatten zudem einen viel höheren Lebensstandard als ihre Mitgefangenen, weil sie für die Nazis notwendig und nützlich waren.

Mehrfach wurde die Uhrmacherwerkstatt vergrößert, denn es gab immer mehr Uhren zu warten. Zum Schluss gab es ca. 160 Häftlinge, die als Uhrmacher dort arbeiteten. 1944 wurde eine weitere Werkstatt in Fichtengrund eröffnet. Die fertigen und überholten Uhren wurden meist an Beamte, SS-Männer und an das Militär verteilt.Einer dieser Uhrmacher war der Jude Leon Messer, er wurde 1920 in Polen geboren, aufgewachsen ist er in Belgien. Er erlernte das Uhrmacherhandwerk von seinem Vater. Im Jahre 1943 wurde er im Alter von 23 Jahren ins KZ Auschwitz deportiert. Er erzählt in einer Tonaufnahme in der Ausstellung, dass ein Mithäftling ihn vor der Selektion rettete, indem dieser ihn unter seiner Decke versteckte. Später wurde er als Uhrmacher nach Sachsenhausen überstellt, wo er bis zur Auflösung des Konzentrationslagers blieb.

Diese Arbeit in der Uhrmacherwerkstatt schützte viele Häftlinge vor der Vernichtung, sodass diese Juden zeitweise die einzigen in Sachsenhausen waren. Andere Zwangsarbeitsorte im Konzentrationslager waren die Klinkerwerke, in denen laut Überlebender nicht gearbeitet wurde, sondern nur Menschen gequält wurden. Ein Beispiel ist Eli Carmel . Er ist fast gestorben, weil er versuchte einem SS-Mann zu entgehen. Dieser bemerkte dies allerdings und schlug solange auf ihn ein, bis er glaubte, Carmel sei tot. Doch er war nur bewusstlos und lag bis tief in die Nacht im Schnee. Dann wachte er auf und ging in seine Baracke. Am nächsten Tag musste er wieder ’’normal’’ mitarbeiten.Für die Häftlinge gab es ansonsten noch die Ziegelproduktion, die Erdarbeiten und, meist nur für die jüdischen Häftlinge, das besonders entwürdigende Latrinen- und Leichenkommando.

Sehr auffallend in der Ausstellung ist die verbrannte Wand im Inneren der Baracke, sie zeugt von einem Brandanschlag Rechtsextremer im Jahre 1992.

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